(iz). Das freiwillige Tahadschschud-Gebet in der Nacht, oft auch „Qijam Al-Lail“, „Aufstehen in der Nacht“, genannt, hat einen hohen Stellenwert in der islamischen Glaubenspraxis. Allah sagt im Qur’an beispielsweise: „Und unterbrich deswegen in der Nacht deinen Schlaf – vollbringe diese Leistung freiwillig. Es mag sein, dass dich dein Herr dafür zu einem löblichen Rang erhebt.“ (Al-Isra’, 79) oder auch „Ihre Seiten halten sich fern von ihren Betten; sie rufen ihren Herrn in Furcht und Hoffnung an und spenden von dem, was Wir ihnen gegeben haben.“ (As-Sadschda, 16) Die Aufforderung zum freiwilligen Gebet in der Nacht und dem Aufstehen dafür ist also durch die Offenbarung etabliert, und darüber hinaus gibt es zahlreiche Hadithe vom Propheten Muhammad darüber und wie er selbst das nächtliche Gebet verrichtet hat.
‘A’ischa, die Frau des Propheten, berichtete: „Ich pflegte, direkt vor dem Gesandten Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden schenken, zu schlafen, und meine Beine waren in seiner Qibla [Gebetsrichtung]. Wenn er sich niederwarf, stubste er mich, und ich zog meine Beine hoch. Wenn er aufstand, streckte ich sie wieder aus.“ Und sie fügte hinzu: „Zu jener Zeit gab es keine Lampen in den Häusern“. (Muwatta; Al-Bukhari)
Es wird vom Propheten in authentischen Überlieferungen berichtet, dass er pflegte, sieben, neun oder elf Gebetseinheiten (Rak’at) – in Abschnitten von je zwei Gebetseinheiten – einschließlich des Witr-Gebets – in der Nacht zu beten, wobei er besonders lange stand und in den Niederwerfungen verweilte. Nur die ersten beiden Rak’at sollten kürzer sein. Dies tat er regelmäßig, nur wenn er krank war, unterließ er es ausnahmsweise.
Nach einem Hadith hat er dafür dann am Tag freiwillige Gebetseinheiten verrichtet. ‘A’ischa berichtete: „Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden schenken, stand nachts auf, um zu beten, bis dass seine Füße anschwollen. Ich sagte zu ihm: ‘Warum tust Du das, o Gesandter Allahs, wenn Dir doch Deine vergangenen und zukünftigen falschen Handlungen bereits vergeben worden sind?’ Er sagte: ‘Sollte ich nicht ein dankbarer Sklave sein?’“ (Bukhari)
Der Prophet hat das freiwillige nächtliche Gebet als das beste Gebet nach den Pflichtgebeten bezeichnet. Er hat aber auch darauf hingewiesen, dass man nicht ins Extrem gehen solle, indem man gar nicht mehr schläft. Wenn einen die Müdigkeit überkommt, soll man sich ausruhen. Er hat auch davon abgeraten, zu beten, während man sehr schläfrig ist, weil es die Konzentration auf das Gebet stark beeinträchtigt. Der Prophet hat gesagt, dass derjenige, der nachts betet und dann vom Schlaf überkommen wird, für sein Gebet Belohnung erhält, während sein Schlaf eine Sadaqa für ihn ist. Es heißt auch, dass wenn ein Mann und seine Ehefrau nachts gemeinsam beten, sie unter den Männern und Frauen aufgezeichnet werden, die sich [an Allah] erinnern. Auch die Wichtigkeit der Kontinuität bei dieser freiwilligen gottesdienstlichen Handlung wird in den Hadithen betont.
Als beste Zeit für das Gebet gilt das letzte Drittel der Nacht. ‘A’ischa sagte über das nächtliche Gebet des Propheten: „Er pflegte, im ersten Tel der Nacht zu schlafen und dann im letzten Teil aufzustehen und zu beten, und danach wieder zu Bett zu gehen. Wenn der Mu’adhdhin den Gebetsruf [Adhan] ausrief, stand er auf. Wenn es nötig war, machte er Ghusl [rituelle Ganzkörperwaschung]. Andernfalls machte er Wudu’ [Gebetswaschung]und ging [zur Moschee]. (Al-Bukhari)
Der Prophet sagte: „Jede Nacht im letzten Drittel der Nacht nähert sich Allah, der Gepriesene und Erhabene, dem untersten Himmel und fragt: ‘Ist da jemand, der Mich anruft, damit Ich ihm antworten kann? Ist da jemand, der Mich um etwas bittet, damit Ich es ihm geben kann? Ist da jemand, der Mich um Vergebung bittet, damit Ich ihm vergeben kann?“ (von Abu Huraira berichtet).
Daher ist auch das Bittgebet und auch die Qur’an-Rezitation im letzten Drittel der Nacht besonders empfehlenswert und segensreich. (YA)
