Von Yasin Alder
(iz). Neben den fünf täglichen Pflichtgebeten gibt es im Islam auch viele Arten von freiwilligen, zusätzlichen Gebeten, die auf die Sunna des Propheten, Allah segne ihn und schenke ihm Frieden, zurückgehen. Die freiwilligen Gebete, um die es hier geht und die in der rituellen Form verrichtet werden, sind dabei zu unterscheiden von dem freien Bittgebet (Du’a), mit dem man sich jederzeit an Allah wenden kann.
Bezüglich der freiwilligen Handlungen der Anbetung gibt es einen grundlegenden Hadith Qudsi (außerqur’anisches Wort Allahs, das vom Propheten übermittelt wurde), in dem es heißt: „Mein Knecht nähert sich Mir nicht mit etwas, das Ich mehr liebe als das, was Ich ihm zur Pflicht auferlegte. Mein Knecht fährt fort, sich Mir durch zusätzliche Frömmigkeit [Nawafil, freiwillige Taten; Einzahl: Nafila] zu nähern, bis Ich ihn liebe. Und wenn Ich ihn liebe, bin Ich sein Hören, mit dem er hört, sein Sehen, mit dem er sieht, seine Hand, mit der er greift, sein Fuß, mit dem er geht. Wenn er Mich (um etwas) bittet, werde Ich es ihm gewiss gewähren, und wenn er Mich um Beistand bittet, werde Ich ihm gewiss Zuflucht geben.“
Zunächst gibt es verschiedene freiwillige Gebetseinheiten, die vor und nach den Pflichtgebeten verrichtet werden können. Dies sind zwei vor dem Morgengebet, zwei oder vier vor sowie zwei nach dem Mittagsgebet, zwei oder vier vor dem Nachmittagsgebet, zwei nach dem Abendgebet und zwei oder vier vor sowie zwei nach dem Nachtgebet. Davon sind die beiden Gebetseinheiten vor dem Morgengebet – die sogar zwischen Sonnenaufgang und Mittagsgebet nachgeholt werden, falls man sie versäumt hat – sowie die beiden nach dem Abendgebet besonders stark empfohlen, da der Prophet sie stets gebetet und nicht unterlassen hat. Man kann auch nach dem Abendgebet noch weitere freiwillige Gebetseinheiten (Rak’at) verrichten, und zwar bis zu 20. Ebenfalls sehr stark empfohlen ist das Schaf’i und Witr-Gebet nach dem Nachtgebet, das als letztes Gebet des Tages verrichtet wird und aus einer ungeraden Zahl von Gebetseinheiten besteht (in der Regel sind drei üblich). Auch gibt es das Salat Ad-Duha, das Gebet am Vormittag, am frühen Vormittag zwischen Sonnenaufgang und Mittag, über dessen Exzellenz es ebenfalls Überlieferungen gibt. Keine freiwilligen Gebete verrichten darf man in der Zeit zwischen Morgengebet und Sonnenaufgang sowie zwischen Nachmittagsgebet und Abendgebet. Weiterhin überliefert sind zwei Gebetseinheiten vor Antritt einer Reise, zwei nach jedem Wudu’ (ritueller Waschung), zwei Rak’at aus Dankbarkeit oder in Verbindung mit einem Gelöbnis, zwei Gebetseinheiten beim Betreten einer Moschee oder die zwei Gebetseinheiten vor dem Istikhara-Gebet, bei dem man Allah um Hilfe bei einer schwierigen Entscheidung bittet. Das freiwillige Tahadschud-Gebet in der Nacht, oft auch „Qijam Al-Lail“, „Stehen in der Nacht“, genannt, hat einen besonderen Stellenwert. Allah sagt im Qur’an beispielsweise: „Und unterbrich deswegen in der Nacht deinen Schlaf – vollbringe diese Leistung freiwillig. Es mag sein, dass dich dein Herr dafür zu einem löblichen Rang erhebt.“ (Al-Isra’, 79). Der Prophet hat das freiwillige nächtliche Gebet als das beste Gebet nach den Pflichtgebeten bezeichnet. ‘A’ischa berichtete: „Der Gesandte Allahs, möge Allah ihn segnen und ihm Frieden schenken, stand nachts auf, um zu beten, bis dass seine Füße anschwollen. Ich sagte zu ihm: ‘Warum tust Du das, o Gesandter Allahs, wenn Dir doch Deine vergangenen und zukünftigen falschen Handlungen bereits vergeben worden sind?’ Er sagte: ‘Soll ich nicht ein dankbarer Diener sein?’“ (Bukhari) Als beste Zeit für das Gebet gilt das letzte Drittel der Nacht.
Die gemeinschaftlichen Tarawih-Gebete im Fastenmonat Ramadan werden von den Muslimen wegen ihrer Atmosphäre und der besonderen spirituellen Erfahrung hochgeschätzt. Nach dem Fastenbrechen geht man in die Moschee, betet dort das Nachtgebet, und im Anschluss daran das Tarawih-Gebet. Die Tarawih-Gebete müssen aber nicht in der Moschee verrichtet werden, sondern können auch zu Hause, allein oder mit der Familie, gebetet werden. Doch ist, wie auch generell, das gemeinschaftliche Gebet besser und segensreicher, und es wird zu den Sunan des Ramadan gezählt, das Tarawih in den Moscheen in Gemeinschaft zu beten.
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